Wie sich herausgestellt hat, findet die Offene Uni in ihren Kerntagen genau parallel zur diesjährigen Jobmesse statt: Dort wird Studierenden die Gelegenheit gegeben, sich frühzeitig ihren zukünftigen Arbeitgebern anzubiedern, um ihre Chancen im Überlebenskampf der Arbeitswelt zu erhöhen. Und der Wettbewerb ist hart: Um dies zu verdeutlichen, wird noch im Vorfeld der Messe durch Herr Krausch ein kleiner Kampf inszeniert, bei dem dazu gewillte Studierende – tatsächlich, alles freiwillig – sich im Bewerbungsschreiben-Ausfüllen messen, um damit ein “Einzelgespräch” bei einem Unternehmen zu ergattern.
Doch wollen wir das (insgeheim) nicht alle? Eigentlich schon, oder? Der Webseite des “Career-Center” der Uni kann man zumindest folgenden Satz entnehmen: “Jeder Studierende setzt sich früher oder später mit der Gestaltung seiner beruflichen Zukunft auseinander.” – folglich müsste die Jobmesse doch überquellen vor lauter produktionswilligem, zukünftigem Humankapital. Und möchten wir nicht alle im Turbo-Schnellverfahren (Zeit ist Geld!) den eigenen Lebenslauf optimieren?
Da man, auch seitens des Präsidiums, jedoch zu übersehen scheint, dass glücklicherweise noch nicht jeder Studierende sein Studium mit Hinblick auf seine “berufliche Zukunft”, sein “Portfolio” und seinen Marktwert ausrichtet, kommt es vielleicht sehr gelegen, dass gerade in diesem Zeitraum auch der Bildungsstreik und die Offene Uni stattfindet, um denjenigen, die an einer freien, tatsächlich individuellen, menschlichen, allgemeinen und sozialen Bildung interessiert sind, einen Kontrapunkt zum normalgewordenen Profilierungsdrang- und Zwang zu bieten.